Johann Christoph von Dreyhaupt (1699-1768)


Am 20. April 1699 wurde Johann Christoph Dreyhaupt als ältester Sohn aus der zweiten Ehe des Kaufmanns und Gasthofbesitzers Christoph Dreyhaupt und seiner Frau Anna Catharina Kühlstein, geb. Hanewald in Halle geboren. Sein Geburtshaus war der Gasthof des Vaters, „Zum Güldenen Stern“, am Kleinen Berlin Nr. 3. Das Haus steht heute nicht mehr, die Straße aber hat ihren Namen nach ihm erhalten: Sternstraße.

Nach einer Kaufmannslehre in Leipzig begann Dreyhaupt im August 1718 das Studium der Rechte an der halleschen Universität. 1725 wurde er Advokat mit dem Titel Kommissionsrat und Hoffiskal bei der französischen Kolonie. 1727 erwarb Dreyhaupt das Haus Marienviertel Nr. 50 (heute Große Ulrichstraße 42), das mit 3 Talern, 16 Gulden Unpflichten und 1 Taler Wasserzins belegt war. Im Dezember desselben Jahres erwarb er das hallesche Bürgerrecht. 1728 wurde Dreyhaupt Mitglied der Pfännerschaft, im Jahr darauf Beisitzer des Schöppenstuhls. 1731 wurde ihm das Amt eines Regierungs-, Kriegs- und Domänenrates verliehen, mit welchem er zugleich Schultheiß, Bergrichter und Salzgräfe war. Das ebenso damit verbundene Amt des Seniors, d. h. Vorstehers des Schöppenstuhls übernahm Dreyhaupt erst zwei Jahre später, als der damalige Amtsinhaber verstorben war.

In Anerkennung seiner richterlichen Tätigkeit erhielt Dreyhaupt 1741 den Titel Geheimrat, wurde im darauffolgenden Jahr vom sächsischen Kurfürsten in den Reichsadelstand erhoben und erhielt die Würde eines Hofpfalzgrafen. Im Dezember 1745 wurde er für drei Wochen wegen seiner „Geschicklichkeit und Arbeitsamkeit“ als Beigeordneter des königlich preußischen Kriegskommissariats nach Leipzig berufen zur Festsetzung und Regelung einer Kriegskontribution.

Die Stadt Halle berief ihn zum Direktor des Almosen-Kollegiums, die Regierung in Magdeburg zum Advocatus fisci für das Herzogtum Magdeburg. Als für die Versorgung der Armen Halles eine Unterkunft gesucht wurde, war für einige Zeit der Ankauf des alten, gut erhaltenen und großzügigen Gasthofes „Zum Güldenen Stern“ seines Vaters im Gespräch, dies ist aber wohl nicht ausgeführt worden.

Bereits als Student hatte Dreyhaupt begonnen Gerichtsakten zu sammeln und abzuschreiben, um die Kenntnisse aus früheren Prozessen für die eigene Urteilsfindung zu nutzen. 1729 veröffentlichte er unter dem Namen Trivultio eine erste Sammlung solcher Akten. Daneben legte er ein eigenes Naturalienkabinett an, das u.a. zahlreiche Mineralien, Fossilien und Pflanzenteile enthielt. Auch seinen Garten, der an den Botanischen Garten der Universität angrenzte, nutze Dreyhaupt für botanische Studien. Außerdem besaß er eine große Sammlung von zeitgenössischen und antiken Münzen.

Sein wichtigstes Werk oder Lebenswerk ist die 1749/50 erschienene Chronik „Pagus Neletizi et Nudzici, oder ausführliche diplomatisch-historische Beschreibung des … Saal-Kreyses …“. Die beiden Bände enthielten Abschriften von erstmals veröffentlichten Gerichtsakten, 683 Kurzbiographien bedeutender mitteldeutscher Persönlichkeiten, Kupferstiche und Holzschnitte mit Ortsansichten, Bauwerken, Siegeln, Urkunden, Gelehrtenporträts und Kuriositäten seiner Sammlungen sowie 196 genealogische Tafeln. Außerdem fügte Dreyhaupt eine Wiederveröffentlichung der Beschreibung des Salzwerkes von dem Pfänner Friedrich Hondorff an, die er ausführlich ergänzt und mit Bemerkungen versehen hat.

Dreyhaupt war Mitglied der Römisch-Kaiserlichen Akademie Natura curiosum (Leopoldina) und auswärtiges Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften in Berlin sowie Ehrenmitglied der Churfürstlichen Mayntzischen Gesellschaft der nützlichen Künste und Wissenschaft zu Erfurt.

Am 10. August 1768 beging Johann Christoph von Dreyhaupt im Hotel „Zum Kronprinzen“ unter großer Beteiligung der halleschen Bürger, Studenten und Halloren das 50-jährige Jubiläum seiner Immatrikulation an der halleschen Universität. Am 13. Dezember desselben Jahres starb er und wurde auf dem Stadtgottesacker, im Schwibbogen Nr. 58 begraben. Der Druck seines Hauptwerkes hat ihn finanziell ruiniert und seine umfangreiche Sammlung ist nach seinem Tod an unterschiedliche Personen verkauft und in alle Richtung verstreut worden.

Dreyhaupt war zweimal verheiratet, beide Ehen blieben kinderlos. Im Mittelfeld des Stadtgottesackers steht der Grabstein seines Schwagers Johann Stuck, Ehemann seiner Schwester Rosina Elisabeth. An den Häusern, die an Stelle von Dreyhaupts Geburtshaus und seines Wohn- und Sterbehaus errichtet wurden, sind Gedenktafeln zu seiner Erinnerung angebracht. Seine umfangreiche Stadt- und Regionalchronik wurde zum Stadtjubiläum 2002 erneut aufgelegt und gilt bis heute als eine der wichtigsten Quellen der Stadt- und Regionalgeschichte.

Damit bestätigt sich, was Dreyhaupts erster Biograph Johann Friedrich Seyfart von ihm 1772 sagte: „daß er in vielen Fächern der Gelehrsamkeit eine ausgebreitete Kentniß besessen, unermüdet in Arbeiten gewesen, und seinen Fleiß mit der schärfsten Beurtheilungskraft verbunden“ hatte. Nach der näheren Erläuterung der Werke Dreyhaupts beschließt Seyfart seinen Lobgesang mit den Worten: „so werden meine Leser … mir glauben, daß es Wahrheit sey, wenn ich behaupte, daß des Dreyhaupt Ruhm unvergänglich zu seyn verdient.“

Die Dreyhauptstraße erhielt ihren Namen 1886 und verlief ursprünglich von der Gr. Klausstraße bis zum Moritzkirchhof. Zuvor hieß sie im nördlichen Teil „An der Kuttelpforte“, im Süden „An der Hallmauer“. 1928 wurde der nördliche Teil dem neu errichteten Hallorenring zugeschlagen.


Quellen:
Wolfram Dreyhaupt: Johann Christoph von Dreyhaupt: Versuch einer Biographie, Privat-Druck für die Familie Dreyhaupt. Aystetten 1983.
Stadtarchiv Halle, FA 98, Dreyhaupt, Johann Christoph von