Adolf Wilhelm Ferdinand Damaschke (1865–1935)


Adolf Damaschke wurde als Sohn eines Tischlermeisters am 24. November 1865 in Berlin geboren. Seine Kindheit verbrachte er mit seinen Eltern und einem Bruder in sozialer Not und in den beengten Wohnverhältnissen einer Mietskaserne.

Bei seiner Einschulung 1871 fand er wegen des damaligen extremen Bevölkerungszuwachses in Berlin keinen Platz in einer staatlichen Volksschule, konnte aber auf Staatskosten eine Privatschule besuchen. Das Gymnasium blieb ihm allerdings aus Kostengründen verwehrt. Später erhielt er auf Grund seiner Begabung und des damaligen Lehrermangels nach einer vorbereitenden Volksschullehrerausbildung (1880) über eine Freistelle (ab 1883) am „Berliner Pädagogischen Seminar“ eine Ausbildung zum Volksschullehrer.

Inspiriert vom christlichen Glauben engagierte er sich bereits als Jugendlicher in einer freikirchlichen Gemeinde und leitete dort eine Sonntagsschule. Ab 1893 arbeitet Damaschke als Volkschullehrer in Berlin und setzte sich insbesondere für die Lernmittelfreiheit ein. Das brachte ihn in Konflikt mit seinem Dienstherren, aber auch in Kontakt mit der Berliner Presse. So arbeitete er als Journalist für die von Franz Mehring geleitete „Volkszeitung“ und als Schriftführer der lebensreformerischen Zeitschrift „Der Naturarzt“, wo er insbesondere eine gesunde Lebensweise propagierte. In den heilenden natürlichen Kräften von Licht, Luft, Wasser und einfacher Ernährung sah Damaschke einen wirksamen Weg zur schnellen Verbesserung der Gesundheit vor allem des Industrieproletariats. 1896 verließ er auf eigenen Wunsch den Schuldienst und arbeitete jetzt als freier Schriftsteller und Publizist.

Als Folge der zunehmenden Boden- und Mietspekulation nach 1871 in Deutschland sah Damaschke einen Schwerpunkt seiner Arbeit in der Schaffung eines sozialen Bodenrechts. Er entwickelte gemeinsam mit anderen die Idee einer Bodenreform, die sich allerdings nicht durchsetzen konnte.  Diese Reformideen beeinflussten jedoch, hauptsächlich in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg, Zeitgenossen über parteipolitische und weltanschauliche Grenzen hinweg und erzielten auch einige politische Erfolge. So fanden sie Eingang in die Gesetzgebung, z.B. Weimarer Nationalversammlung 1919, Einarbeitung von Artikel 155 in die Reichsverfassung (über die Bodenverteilung und seine Nutzung), und das Reichsheimstättengesetz von 1920 (Erleichterung der Erlangung von Wohneigentum für Arbeiter und Angestellte).

Damaschke betrieb eine umfangreiche Vortragstätigkeit und veröffentlichte zahlreiche Schriften und Bücher, teilweise in sehr hoher Auflage. Mit der Gründung von Siedlungs- und Mietergenossenschaften, z.B. in Frankfurt (Oder), versuchte er seine Ideen in die Praxis umzusetzen.

Der parteilose Damaschke war bei seinen Anhängern so populär, dass er 1922 für den Fall einer Volkswahl als Kandidat für das Amt des Reichspräsidenten vorgesehen war.

Die Universitäten Münster, Berlin und Gießen verliehen ihm zwischen 1919 und 1925 die Ehrendoktortitel der Rechte, der Medizin und der Theologie.

Adolf Damaschke starb am 30. Juli 1935 in Berlin und wurde in Werder (Havel) beigesetzt.

In Würdigung seines Wirkens wurden in vielen Orten Straßen, Wege, Plätze, Kleingartensiedlungen nach dem Lebens- und Bodenreformer Damaschke benannt.

Andreas Kockel


Quellen:
wikipedia.org
luise-berlin.de
www.val-anhalt.de
www.deutsche-biographie.de