Johannes Bugenhagen (1485 – 1558)

Der Theologe und Reformator Johannes Bugenhagen war mit Philipp Melanchton der wichtigste Mitstreiter Martin Luthers im so genannten „Wittenberger Dreigestirn“.

Er war der Wegbereiter und Organisator der Reformation, seine Kirchenordnungen schufen die theologischen, rechtlichen und sozialen Grundlagen der sich neu gründenden Kirchen im norddeutschen Raum und in Skandinavien.

Zu Martin Luther bestand ein enges Vertrauensverhältnis, Bugenhagen war Seelsorger, Berater und Freund, er traute Luther mit Katharina von Bora am 13.6.1525 in der Wittenberger Stadtkirche und hielt am 22.2.1546 Luthers Leichenpredigt.

Geboren wurde Johannes Bugenhagen am 24.6.1485 in Wollin (Pommern), dort wächst er in einfachen Verhältnissen auf, studiert ab 1502 mit Unterstützung der Äbtissin des Zisterzienserklosters an der artistischen Fakultät der Universität Greifswald. Ohne Abschluss verlässt er 1504 Greifswald und wird kurze Zeit später Rektor der Ratsschule in Treptow (Trzebiatowice) an der Rega, die er bis zum Frühjahr 1521 leitet.

Hier beginnen für seine geistige und theologische Entwicklung außerordentlich wichtige Jahre. Unter seiner Leitung blüht die Schule auf, Bugenhagen ist Lehrer und immer mehr auch Ausleger biblischer Schriften. 1509 zum Priester geweiht, wird er 1517 zum theologischen Lektor am Prämonstratenser Konvent Belbuck (Bialoboki) bei Treptow berufen. Schon ab 1512 war er dem Gedankengut des Humanisten Erasmus von Rotterdam nahegekommen, das geprägt war von einer Rückkehr zur Heiligen Schrift, vor allem zur Ethik Jesu und von daher zu einer Erneuerung von Kirche und Frömmigkeit. Das entspricht Bugenhagens Denken, sich selbst und seine Hörer zu wahrer Frömmigkeit und Heiligkeit zu führen.

Im Jahr 1518 vollendet er die „Pomerania“, die erste umfassende Darstellung der pommerschen Geschichte und Kirchengeschichte, die er auf Bitten des Landesherrn, Bogislaw X., erarbeitet.

1520 kommt er mit Luthers Schriften in Kontakt, nach einem Schriftwechsel mit Luther verlässt er im Frühjahr 1521 seine Heimat, um sich in Wittenberg am 29.4.1521 an der Universität einzuschreiben, er wollte die reformatorische Theologie an ihrer Quelle kennenlernen. Bereits im Herbst 1521 hält er eigene Vorlesungen und begründet seinen Ruf als geistliche Autorität neben Luther und Melanchton.

1533 wird er zum Dr. der Theologie promoviert (Doctor Pomeranus).

Er heiratet am 13.10.1522 Walburga (Familienname unbekannt), die am 1.5.1500 in Torgau geboren wurde und am 28.7.1569 in Wittenberg starb. Auch um seine finanzielle Stellung zu unterstützen, setzt sich Luther dafür ein, dass Bugenhagen zu Michaelis 1523 zum Stadtpfarrer in Wittenberg berufen wird.

Bugenhagen wird seiner Gemeinde, die er nachhaltig prägte, bis zum seinem Tod am 20.4.1558 die Treue halten.

Immer wieder kehrt er nach oft längeren Arbeitsaufhenthalten, insbesondere in Norddeutschland und Skandinavien, nach Wittenberg zurück. Lockende Angebote der Städte Erfurt, Hamburg und Danzig lehnt er ab. Luther nennt ihn oft „unseren Bischof“. Bugenhagen wohnte mit seiner Frau und den Kindern (nur 4 der 8 Kinder werden das Erwachsenenalter erreichen) in dem später nach ihm benannten Bugenhagen-Haus am Kirchplatz 9.

Es wurde vor 1523 als Pfarrhaus direkt neben der Stadtkirche erbaut und im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und erweitert. Bis 1997 war es die Wohn-und Arbeitsstätte des Inhabers der 1. Pfarrstelle und (General-) Superintendenten, es wird gern als das erste evangelische Pfarrhaus bezeichnet. Ab 2001 wurde durch die Aufnahme in das Denkmal-Programm der Wüstenrotstiftung und die Anerkennung als Denkmal von nationaler Bedeutung der Beginn einer umfassenden Revitalisierung eingeleitet.

Gerade im zu Ende gehenden „Lutherjahr“ war das Bugenhagen Haus als Gemeindezentrum und Kommunikationsort „Mitten in der Stadt“ ein wichtiger Treffpunkt für Christen und Besucher aus dem In- und Ausland.

Johannes Bugenhagen ist vor allem wegen seiner Kirchenordnungen bekannt. Sie legen den Grundstein dafür, dass aus der reformatorischen Bewegung nun eine protestantische Kirche wird. Ab 1528 erarbeitet er sie für Braunschweig, Hamburg, Lübeck, Schleswig-Holstein, Wolfenbüttel, Hildesheim und für seine Heimat Pommern. Im Sommer 1537 geht er für zwei Jahre nach Dänemark, schafft die Grundlagen der dänischen lutherischen Kirche und stellt die Statuten der Universität Kopenhagen auf. So bahnt er den Weg des Protestantismus für ganz Nordeuropa.

Drei Säulen prägen alle Kirchenordnungen: Die lutherisch ausgerichtete Predigt des Evangeliums im Gottesdienst, die Schaffung eines evangelischen Schulwesens (auch für Mädchen) und die Sicherung einer sozialen Fürsorge für Arme und Bedürftige. Bis ins Kleinste hinein ordnet er den Vollzug des Lebens, es ist ein umfassender Neuanfang gegen jahrhundertalte Traditionen und Herrschaftsansprüche.

Johannes Bugenhagen ist ein unermüdlicher Prediger, Bibelausleger, Übersetzer der Bibel ins Niederdeutsche, Organisator mit juristischem Gespür. Er ordiniert unzählige Prediger und verpflichtet sie auf die lutherische Lehre.

Am 20.4. 1558 stirbt er, Philipp Melanchton hält seine Grabrede. In seiner Kirche, der Stadtkirche in Wittenberg, wird er zur letzten Ruhe gebettet.

Holger Herfurth
Halle/Saale, 2.10.2017

Quellen:
Leder, Hans-Günther: Johannes Bugenhagen Pomeranus - vom Reformer zum Reformator, Frankfurt/Main, 2002
Leder, Hans-Günther: Johannes Bugenhagen, der heimliche Bischof der Reformation, Vortrag im Katharinensaal der Stadtkirchengemeinde Wittenberg am 29.10.2002, Original-Manuskript