Elsa Brändström (1888-1948)


Elsa Brändström wurde am 26.März 1888 als ältestes Kind des schwedischen Militärattachés Edvard Brändström und seiner Ehefrau Anna Eschelsson, verw. Gräfin Pieper, in St. Petersburg/Russland geboren. Schon als Kind sagte man über sie, dass es zu ihren besonderen Fähigkeiten gehörte, niemals einer vorgefassten Meinung anzuhängen, ohne diese mit eigenen Erfahrungen und Erkenntnissen zu vergleichen und ggf. auch zu ändern.
Nach der Schulzeit besuchte sie ab 1906 das Lehrerinnenseminar in Stockholm und belegte einen Krankenkurs des St. –Georgs-Ordens.
Nach Ausbruch des 1. Weltkrieges arbeitete sie ab 1914 als Delegierte des schwedischen Roten Kreuzes in verschiedenen Gremien um humanitäre Aufgaben lösen zu helfen. So errichtete u. leitete sie in dieser Zeit im Auftrag des Internationalen Roten Kreuzes ein Verwundetenhospital. Später ging sie nach Russland um hier deutsche Kriegsgefangene zu betreuen u. ihnen zu helfen. Stationen waren Omsk, Wladiwostok und  Krasnojarsk.
Im Herbst 1918 wurde ihr die Arbeitserlaubnis entzogen, doch durch ihre Hartnäckigkeit erhielt sie diese noch vor dem Winter zurück. 1920 wurde sie selbst in  Omsk interniert und  nach Schweden zurückgeschickt. Die von ihr geleistete Hilfe für die Opfer des 1. Weltkrieges auf russischem Boden brachte ihr den Namen „ Engel von Sibirien“ ein.
Nach Ende des 1. Weltkrieges gründete sie 1922 in Marienborn ein Arbeitssanatorium, in dem sich ehemalige kriegsgefangene Soldaten erholen u. freiwillige Arbeit leisten konnten. Schließlich richtete sie mit großer Mühe u. erheblichen finanziellen Aufwendungen im Schloss von  Neusorge bei Altmittweida, Sachsen, ein Kinderheim ein. In dem reizvoll gelegenen Haus fanden 60 Kriegswaisen eine neue Heimat, während in wechselnden Durchgängen jeweils 150 arme Kinder sich bei Sport, Spiel u. gesunder Ernährung erholen konnten. Dieses Heim übergab Elsa Brändström 1931 an den Leipziger Fürsorgeverein.
Auf ihren Vortragsreisen , u. a. 1923 in Amerika oder 1925 in Schweden, sammelte sie Gelder, um ihre humanitäre Arbeit finanzieren zu können. Als Anerkennung für ihre Leistungen erhielt sie von der Universität Upsala in Schweden, der Universität Königsberg (heute Kaliningrad)  und der Universität in Tübingen die Ehrendoktorwürde. Auch  der akademische Senat der Vereinigten Friedrichs-Universität  Halle-Wittenberg (ab 1933 Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg) fasste auf seiner Sitzung vom 7. Februar 1921 den Beschluss, die verdienstvolle Humanistin zum Ehrenmitglied der Universität zu ernennen. In den Zeitungen Halles wurde betont, dass diese Ehrung als „Ausdruck der Dankbarkeit für die den deutschen Kriegsgefangenen in Russland alle die Jahre hindurch erwiesene unvergessliche Fürsorge und für die von ihr unter den größten Mühen und Gefahren mit unerschrockener Einsetzung des Lebens durchgeführte helfende Tätigkeit im Dienste besonders auch der deutschen akademischen Jugend“ vollzogen worden ist.
1929 heiratete sie den deutschen Wissenschaftler Robert Ulich und zog mit ihm nach Dresden, 1932 wurde ihre Tochter Brita geboren. Die Ulichs lehnten es ab, ihren Ruf und ihr Ansehen in den Dienst der Nazis zu stellen, sie folgten deshalb einer Berufung an die Universität von Cambridge  (Massachussets). 

Elsa Brändström engagierte sich auch in den USA für die Flüchtlingshilfe und baute 1939 den „Windowshop“, eine Restaurant als  Arbeitsmöglichkeit für Flüchtlinge in Cambridge auf. Sie bemühte sich um Einreisemöglichkeiten für politisch und rassisch Verfolgte aus Deutschland und Österreich. Auch nach dem zweiten Weltkrieg setzte sie sich weiter insbesondere für die Kinder ein, und sammelte Gelder für Bedürftige.
Im Februar 1945 weilte sie auf Einladung schwedischer Frauenorganisationen, bereits von schwerer Krankheit gezeichnet, das letzte Mal in Europa.
Am 04. März 1948 verstarb Elsa Brändström in Cambridge/USA  an den Folgen eines Krebsleidens. Heute tragen viele Straßen, Schulen und gemeinnützige Einrichtungen in Deutschland und Österreich den Namen Elsa Brändströms.

Zur Straße:

Die Elsa-Brändström-Straße gehörte ursprünglich zu dem großen Verkehrsweg in Richtung Süden zur Elsteraue, der später den Namen Beesener Straße erhielt. Erst im Jahre 1931 wurde sie abgetrennt,  als die Bebauung des Gesundbrunnenviertels in ihrer Westseite u. die Errichtung von Siedlungshäusern längs der Damaschkestraße immer weiter fortschritten. Der südliche Teil der Elsa-Brändström-Straße wurde erst seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts mit Wohnblocks bebaut, weitere Bauten folgten.