Gebhard Leberecht von Blücher (1742-1819)

 

Blücher wurde als Sohn eines aus altem mecklenburgischen Adel stammenden Offiziers und Gutsbesitzers geboren. Nach einem nicht lange währenden Schulbesuch trat er gegen den Willen der Eltern bereits mit 16 Jahren in ein Husarenregiment in schwedischen Diensten ein und kämpfte im Siebenjährigen Krieg (1756 – 1763) gegen Preußen. 1760 wurde er von den Preußen gefangen genommen. In der Gefangenschaft ließ er sich vom preußischen Oberst von Belling, einem Schwager Blüchers, zu einem Seitenwechsel bewegen. In preußischen Diensten verläuft seine militärische Karriere als Husar vom Offiziersanwärter zum Rittmeister auf Grund seiner Tapferkeit geradlinig, bis er sich wegen vermeintlichen Übergehens bei einer Beförderung vehement  beschwert. Seinem daraufhin eingereichten Rücktrittsgesuch wurde vom preußischen König Friedrich II. (der Große, der Alte Fritz) mit barschen Worten entsprochen („Rittmeister von Blücher kann, sobald es ihm gefällt,  zum Teufel gehen“).

Blücher erwirbt und bewirtschaftet in Schlesien Gut Krieblowitz, heiratet 1773  Karoline Amalie von Mehling, mit der er bis zu ihrem frühen Tod im Jahre 1791 sieben Kinder hat. In dieser Zeit versuchte Blücher wiederholt in den preußischen Militärdienst zu treten, was durch Friedrich II. jedoch stets abgelehnt wurde. Erst nach dessen Tod und unter dem Nachfolger Friedrich Wilhelm II. tritt Blücher als 45-jähriger im Jahre 1787 als Major wieder in preußische Dienste. Seine Karriere verläuft auch jetzt sehr steil, 1788 Beförderung zum Oberstleutnant, 1790 im Feldzug gegen Holland zum Oberst und während des sogenannten Koalitionskrieges (Preußen und Österreich) gegen die revolutionären Truppen Frankreichs 1794 zum Generalmajor. 1801 erfolgt seine Beförderung zum Generalleutnant.

1805 veröffentlicht Blücher inspiriert von der in Frankreich im Jahre 1793 eingeführten allgemeinen Wehrpflicht die Schrift „Gedanken über die Formierung einer preußischen Nationalarmee“ und setzt sich darin für militärische Reformen und die allgemeine Wehrpflicht ein.

Mit Ausbruch des Krieges 1806 stieß er mit den westfälischen Truppen – Blücher war in dieser Zeit Militärgouverneur der Provinz Westfalen – zu den weiteren Truppen in Thüringen. In der Schlacht von Jena und Auerstedt führte er die ersten Angriffe der Kavallerie, die jedoch in einer Niederlage endeten und zu einem fluchtartigen Rückzug führten. Blücher sammelte unter tätiger Mithilfe Scharnhorsts – hier begann ihre Freundschaft – die Truppen zu einem geordneten Rückzug in Richtung Norddeutschland. Nach weiteren Kämpfen bei Lübeck musste Blücher kapitulieren. Sein militärischer Einsatz machte ihn in Europa weithin bekannt und zu einem Hoffnungsträger für eine Befreiung von der Napoleonischen Vorherrschaft.

In der Phase des Wiederaufbaus Preußens ab 1807 unterstützt Blücher als Generalkommandant in Pommern den Freiherrn vom und zum Stein in der von ihm angestoßenen Heeresreform. 1811 wird Blücher auf Betreiben Napoleons vom preußischen König entlassen. 1813 lässt er sich als nunmehr 70-jähriger erneut reaktivieren und übernimmt ein preußisch-russisches Korps. Er wird  Befehlshaber der Schlesischen Armee, sein Generalstabschef ist August Graf Neidhardt von Gneisenau. Am 26. 10. 1813 schlägt Blücher in der Schlacht an der Katzbach die Franzosen und nach der Elbüberquerung bei Wartenburg am 8. 10. 1813 erneut. In der vier Tage (16. – 19. 10. 1813) andauernden Völkerschlacht bei Leipzig gelangt Blücher mit seinen Truppen als erster in die Stadt, wo er zum Generalfeldmarschall ernannt wird.

Nachdem sich Napoleon mit seinen verbliebenen Truppen nach Frankreich abgesetzt hatte, überzeugte Blücher die alliierten Heerführer von der Notwendigkeit, Napoleon in Frankreich endgültig zu schlagen. Er bahnte nach sich abwechselnden Siegen und Niederlagen mit seinen Truppen den Alliierten den Einmarsch in die französische Hauptstadt. Am 12. 4. 1814 dankte Napoleon ab. Blücher wird durch Friedrich Wilhelm III. als Fürst von Wahlstatt in den Fürstenstand erhoben und erhält die Güter um Krieblowitz zum Geschenk.

Am 1. 3. 1815 landet Napoleon aus seinem Exil auf Elba. Die alliierten Truppen sammeln sich in Belgien. Am 15. 6. 1815 schlägt Napoleon bei Ligny die Truppen Blüchers, wobei Blücher nur knapp einer Gefangennahme – er war vom Pferd gestürzt – entgeht. Am 18. 6. 1815 greift Napoleon die bei Waterloo gelegenen englischen Truppen des Herzogs von Wellington an. In diesen Kampf greift Blücher mit seinen trotz der voran gegangenen Niederlage in keiner Weise demotivierten Truppen ein und gemeinsam fügen sie Napoleon die entscheidende Niederlage bei. Wie schwierig die militärische Situation dieser Schlacht war, belegt der schon legendär gewordene Ausspruch Wellingtons: „Ich wollte, es wäre Nacht oder die Preußen kämen.“

1817 beruft der preußische König Blücher in den neu geschaffenen Staatsrat. Am 12. September 1819, fast 78-jährig, stirbt Blücher auf seinem Gut in Krieblowitz.

Blücher war Militär durch und durch. Auf seine Soldaten wirkte er vor allem durch sein persönliches Vorbild. Er erwartete Loyalität, war aber selber sehr loyal. Seiner offensiven, teilweise draufgängerischen Führung geschuldet trug Blücher den populären Beinamen „Marschall Vorwärts“, den im die verbündeten Russen verliehen hatten. Blücher hat es hervorragend verstanden, seine militärstrategischen und taktischen Defizite durch Heranziehung von auf diesen Gebieten ausgezeichneten Militärführern (Scharnhorst, Gneisenau) auszugleichen.


Die Universitäten von Oxford und Berlin verliehen ihm die Ehrendoktorwürde. Blücher war Ehrenbürger der Städte Berlin, Hamburg und Rostock. Er war überzeugter Freimaurer in den Logen in Stargard (Pommern), Hanau, Emmerich und in Münster.



Quellen:
rbb Preußen-Chronik/Gebhard Leberecht von Blücher (www.300-jahre-preussen.de)
Gebhard Leberecht von Blücher – Biografie WHO´S WHO (www.whoswho.de)